Fahrzeuglenker müssen gar nicht die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschreiten. Fahren mit der normal zulässigen Geschwindigkeit kann in problematischen Verkehrssituationen schon zu schnell sein, etwa bei hohem Fahrzeugaufkommen oder bei widrigen Wetterbedingungen – wie Glätte, Nässe oder Nebel. Deshalb legen Sicherheitsexperten den Verkehrsteilnehmern nahe, ihre Geschwindigkeit den jeweiligen Verhältnissen auf der Straße anzupassen. Es empfiehlt sich auch, das Tempo sicherheitshalber anzupassen, sprich zu senken, um auf plötzlich auftretende Gefahren – etwa in Form von Reifglätte oder Wildwechsel in den Morgen- oder Abendstunden in ländlichen Regionen – vorbereitet zu sein. Insofern muss die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit nicht immer die richtige sein, betonen die Fachleute.

Diese Warnung belegen die Statistiker mit Zahlen: Nach Auskunft von Destatis registrierte die Polizei 2019 in 41.173 Fällen nicht angepasste Geschwindigkeit als Ursache eines Unfalls mit Personenschaden. Lediglich in 2.130 Fällen überschritten die Fahrzeuglenker die zulässige Höchstgeschwindigkeit!

Die Zahl der Schwerverletzten bei Geschwindigkeitsunfällen bewertet die Statistikbehörde mit 345 je 1.000 Unfälle mit Personenschaden ebenfalls als „überdurchschnittlich hoch“. Zum Vergleich: Bei allen Unfällen mit Personenschaden gab es 2019 im Mittel 217 Schwerverletzte je 1.000 Unfälle. Insgesamt wurden nach den Erhebungen des Bundesamtes im vergangenen Jahr 2.963 Menschen bei Geschwindigkeitsunfällen getötet. 53.687 wurden verletzt – davon erlitten 13.769 Personen schwere Verletzungen.

Festzuhalten ist allerdings auch, dass laut der aktuellen Unfallstatistik von Destatis die Zahl der bei Unfällen im Straßenverkehr getöteten Menschen 2019 in Deutschland auf 3.046 und damit auf den niedrigsten Stand seit mehr als 60 Jahren gesunken ist. Im Vergleich zu 2010 bedeutet das einen Rückgang um 16,5 Prozent und gemessen am Vorjahr um 7 Prozent. Positiv sieht der Trend auch bei den Unfällen wegen nicht angepasstem Tempo aus: Während 2010 noch 1.441 Menschen bei sogenannten Geschwindigkeitsunfällen ums Leben kamen, waren es im vergangenen Jahr 33,2 Prozent weniger. Dennoch verstarb rein rechnerisch 2019 hierzulande alle neun Stunden ein Mensch bei einem Geschwindigkeitsunfall.

Während die Zahl der Verkehrstoten auf einen neuen Tiefststand sank, erreichte die Zahl aller Verkehrsunfälle einen neuen Rekordwert: Laut Destatis zählte die Polizei 2019 insgesamt 2,7 Millionen Verkehrsunfälle auf deutschen Straßen − so viele wie noch nie seit 1991. In dem Jahr wurde erstmals die Zahl der Unfälle für Deutschland nach dem heutigen Gebietsstand ermittelt. Nach den aktuellen Daten der Statistiker kam bei rund 11 Prozent der Unfälle ein Mensch ums Leben oder wurde verletzt. Die Zahl der Verletzten nahm 2019 gemessen am Vorjahr um 3 Prozent auf 384.000 Personen ab.

Im Gegensatz zu dem Rückgang bei den Verkehrstoten insgesamt erhöhte sich die Zahl der im Verkehr getöteten Radfahrer seit 2010 um 16,8 Prozent, wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilte. Zu diesem Anstieg dürfte beigetragen haben, dass mehr Menschen das Fahrrad für den Weg zur Ausbildung oder zur Arbeit nutzen. Unfälle mit anderen Zweirädern, wie Motorrädern und Motorrollern, stellen aus Sicht der Statistiker überwiegend ein „Schönwetter- und Freizeitphänomen“ dar, da diese Fortbewegungsmittel meist unter solchen Bedingungen zum Einsatz kommen. Daher finden Unfälle mit derartigen Einspurfahrzeugen gehäuft an Wochenenden in den Monaten April bis Oktober statt, wie die Behörde erläutert. Für Menschen, die auf einem Kraftrad wie einem Mofa oder Motorrad ums Leben kamen, weist die aktuelle Unfallstatistik ein Minus von 14,7 Prozent im Vergleich zu 2010 aus. Die Zahl der im Verkehr getöteten Fußgänger verminderte sich demnach im Vergleichszeitraum um 12,4 Prozent.

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