
Laut Destatis blieb die Zahl der Verletzten 2025 im Vergleich zum Vorjahr mit 366.000 in etwa gleich, wobei die Zahl der Leichtverletzten um 3.000 bzw. ein Prozent auf 318.000 stieg. Dagegen ging die Zahl der Schwerverletzten um vier Prozent auf 48.400 zurück. Dies sei der niedrigste Wert seit 1991, dem ersten Jahr, in dem die Verletzten getrennt in schwer- und leichtverletzt ausgewiesen wurden, erläuterte die Statistikbehörde.
2,5 Millionen Unfälle
Nach ihren Angaben registrierte die Polizei im zurückliegenden Jahr insgesamt rund 2,5 Millionen Unfälle und damit in etwa so viele wie ein Jahr zuvor (minus 0,2 Prozent). Bei 2,2 Millionen Unfällen blieb es demnach bei Sachschäden, was ebenfalls nahezu der Zahl aus dem Vorjahr entspricht (minus 0,3 Prozent). Die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden, stieg derweil um ein Prozent auf rund 293.000.
Wie die Statistiker weiter ermittelten, kamen von Januar bis November 2025, dem Zeitraum für den detaillierte Ergebnisse vorliegen, mehr Menschen ums Leben, die mit einem Auto oder Fahrrad unterwegs waren, als zuvor: Bei den Autofahrern wurden 37 Getötete bzw. vier Prozent mehr registriert sowie plus 18 getötete Radfahrer bzw. ebenfalls vier Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der tödlich verunglückten Nutzerinnen und Nutzer von Krafträdern mit Versicherungskennzeichen stieg nach Auskunft von Destatis besonders deutlich um 28 Prozent bzw. elf Personen. Bei den in Güterkraftfahrzeugen getöteten Menschen stellte das Bundesamt ein Plus von sieben Personen bzw. sieben Prozent fest. Spürbar fiel auch der Anstieg bei den getöteten Nutzerinnen und Nutzern von E-Scootern mit 25 Prozent bzw. sechs Personen aus. An Fußgängerinnen und Fußgängern kamen demnach vier Personen bzw. ein Prozent mehr im Straßenverkehr ums Leben als ein Jahr zuvor.
Dagegen starben von Januar bis November 2025 weniger Menschen im Verkehr, die mit einem amtlich zugelassenen Kraftrad unterwegs waren, also etwa mit Leichtkrafträdern, Motorrollern und Motorrädern: nach den Erhebungen des Statistikbundesamts 41 Personen bzw. acht Prozent.
Verkehrssicherheitsziel verfehlt
Aus Sicht des ADAC wird mit diesen Ergebnissen das Ziel der Bundesregierung, die Zahl der Verkehrstoten zwischen 2021 und 2030 um 40 Prozent zu reduzieren, verfehlt. Denn die Zahlen stiegen nach dem pandemiebedingten Rückgang 2020 und 2021 wieder spürbar an, begründet der Automobilverband seine Einschätzung. Der Anteil der Getöteten im Straßenverkehr, die ohne einen Konflikt mit anderen Verkehrsteilnehmenden bei Alleinunfällen ums Leben kamen, liege inzwischen bei mehr als einem Drittel, streicht der ADAC heraus. Dies zeigt nach seiner Einschätzung, dass Unfälle sehr häufig mit der eigenen Verantwortung in Zusammenhang stehen.
Allerdings setzt der Autoclub zur Verbesserung der Verkehrssicherheit auf ein Zusammenspiel aus Fahrausbildung und Fahreignung, Fahrzeugsicherheit und verbesserter Verkehrsinfrastruktur sowie Kontrollen und Sanktionen. So hält der ADAC etwa die Ausweitung des Lernzeitraums bei der Fahrausbildung durch begleitetes Fahrens ab 17 für ein wichtiges Instrument, um die Unfälle mit Beteiligung junger Fahrer zu reduzieren. Die Möglichkeit, mit Begleitung mehr Routine im motorisierten Straßenverkehr aufzubauen und Fahrpraxis zu sammeln, wirke dem Anfängerrisiko nachweislich entgegen, argumentiert der Club.
Auch der TÜV-Verband sieht angesichts der jüngsten Daten von Destatis Deutschland „bei der Verkehrssicherheit nicht auf Zielkurs“. Vielmehr trete man bei der Verkehrssicherheit nicht nur auf der Stelle, sondern mache aktuell sogar Rückschritte, merkte die Fachreferentin für Verkehrssicherheit beim TÜV-Verband, Fani Zaneta, zu den aktuellen Unfallzahlen an. Im Fünfjahresvergleich werde der Rückschritt noch deutlicher, betonte sie. Denn demnach wuchs die Zahl der Verkehrstoten gemessen an 2021 sogar um zehn Prozent von 2.562 auf zuletzt 2.814.
„Vision Zero“ ist keine Utopie
„Die Vision Zero, also eine Mobilität mit null Verkehrstoten, ist keine Utopie, sondern eine Frage konsequenter Umsetzung“, betonte sie. Doch die bisherigen politischen Maßnahmen reichten in Wirkung und Umsetzung nicht aus. Es gelte an den Stellschrauben zu drehen, die nachweislich Leben retten, forderte die TÜV-Expertin. In dem Zusammenhang hob sie als wesentlich eine „fehlerverzeihende Infrastruktur insbesondere an Unfallschwerpunkten“, hervor. Außerdem sprach sich Zaneta für eine konsequente Regelüberwachung, ein Tempo-Management und die schnelle Verbreitung wirksamer Fahrzeugsicherheitsfunktionen aus.
„Verkehrssicherheit ist kein Luxus, sondern Pflicht“, brachte der Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR), Manfred Wirsch, den Blick seines Verbands auf die aktuellen Unfallzahlen auf den Punkt. Jeden Tag sterbe alle drei Stunden ein Mensch auf unseren Straßen, deshalb sei es höchste Zeit zu handeln, sagte Wirsch. Er hob als besonders gefährlich die Landstraßen hervor, da auf ihnen die meisten tödlichen Unfälle passierten.
Vor dem Hintergrund ruft der DVR die Verantwortlichen in Bund und Ländern auf, die zur Verfügung stehenden Mittel aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität, dem Verkehrsetat des Bundes, dem Straßenfinanzierungspaket sowie den Landes- und Kommunalprogrammen gezielt einzusetzen, um Unfallhäufungsstellen zu entschärfen. Auf Landesebene sollten Mittel für die bauliche Umgestaltung gefährlicher Kreuzungen und Abschnitte sofort abrufbar sein, etwa als ständige Budgets bei den zuständigen Landesbetrieben, postuliert der Verkehrssicherheitsrat.
Zu den gezielt festzulegenden und umzusetzenden Sicherheitsmaßnahmen zählt nicht nur der DVR sogenannte passive Schutzeinrichtungen. Darunter verstehen Verkehrssicherheitsfachleute „bauliche Maßnahmen, die darauf abzielen, die Unfallfolgen bei Abkommen von der Fahrbahn zu minimieren“ – wie etwa Stahlschutzplanken. Sie gelten als ein wesentlicher Bestandteil einer „fehlerverzeihenden Straße“. Passive Schutzeinrichtungen, im Fachjargon Fahrzeug-Rückhaltesysteme (FRS) genannt, schützten Mensch vor unkontrolliertem Abkommen von der Fahrbahn, erläutert der DVR. Und dies gehört nach wie vor zu den größten Risiken auf Landstraßen, wie der Verkehrssicherheitsrat mit Blick auf die jüngsten Unfallzahlen des Statistischen Bundesamts feststellt.
Links
Wenn Sie Interesse an unserem Recherche-Tipp haben, senden Sie uns bitte eine E-Mail an info@goslar-institut.de.