Schulwege-Check: Nur 5 Prozent sind sicher

Wie gefährdet Kinder im Straßenverkehr sind, machen jüngste Daten des Statistischen Bundesamts (Destatis) deutlich. Danach verunglückten im Jahr 2024 insgesamt rund 27.260 Kinder unter 15 Jahren bei Verkehrsunfällen. Dabei kamen 53 von ihnen zu Tode. Zum Vergleich: Im Vorjahr 2023 lag die Zahl der gestorbenen Kinder noch bei 44.

Gefährlicher Schulweg

Insbesondere was den Zeitpunkt der Unfälle angeht, ist die Aussage der Statistiker eindeutig: Der Schulweg ist für viele Kinder besonders riskant. Demnach verunglücken die 6- bis 14-Jährigen montags bis freitags besonders häufig in der Zeit von 7 bis 8 Uhr im Straßenverkehr. Dies sei die übliche Zeit, zu der sich die Kinder auf dem Weg zur Schule befinden, kommentiert das Statistische Bundesamt. In dieser Zeit wurden im vergangenen Jahr 13 Prozent der verunglückten 21.870 Kinder im entsprechenden Alter verletzt oder getötet, berichtet die Behörde. In den folgenden Stunden bis 13 Uhr registrierte sie niedrigere Unfallzahlen: Montags bis freitags in den Zeiten von 15 bis 16 Uhr sowie 16 bis 17 Uhr erreichen sie mit einem Anteil von je 9 Prozent den nächsthöchsten Wert.

Besondere Gefahr für Grundschulkinder ergibt sich laut ACE dadurch, dass ihre Sicht noch eingeschränkt ist und sie noch nicht in der Lage sind, komplexe Verkehrssituationen richtig einzuschätzen. Erst etwa ab dem 14. Lebensjahr könnten Kinder mit den Gefahren im Straßenverkehr ähnlich gut umgehen wie Erwachsene, macht der Auto-Club deutlich.

Als besonders kritisch ist aus seiner Sicht zu konstatieren, dass die größte Bedrohung für die Schulkinder oft direkt vor dem Schultor lauert – in Form von sogenannten Elterntaxis, die chaotische Situationen vor den Schulen herbeiführen, indem sie die Sicht versperren, in zweiter Reihe halten oder Gehwege blockieren. Nach den Beobachtungen des Clubs sollen 41 Prozent der Elterntaxis gegen die Verkehrsregeln verstoßen, wenn sie die Kleinen absetzen und dabei im Halteverbot halten, in Einfahrten, auf Geh- und/oder Radwegen sowie auch gern durch Halten in zweiter Reihe den Verkehr behindern sowie unnötige Gefahrenmomente verschulden.

Zusätzlich werde die Situation häufig durch eine mangelhafte Infrastruktur verschärft, moniert der ACE und fordert: Vor Schulen braucht es sichere Querungsmöglichkeiten, bauliche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung sowie eine gute Beleuchtung. Und einsichtige Eltern, fügen viele Verkehrssicherheitsfachleute nicht nur im Geiste hinzu. Allein schon das den Elterntaxis geschuldete erhöhte Verkehrsaufkommen bedinge vor Schulbeginn eine steigende Unfallgefahr, stellt der ACE fest.

Verkehrsinfrastruktur auch bestenfalls „befriedigend“

Gemessen daran kommt die von den Testern ebenfalls kritisch beäugte Verkehrsinfrastruktur noch „befriedigend“ weg. Zwar sei erfreulicherweise vor 92 Prozent der Schulen das Tempo auf 30 km/h beschränkt, doch die sicherste Lösung – eine Spielstraße oder verkehrsberuhigte Zone – gebe es nur bei 6 Prozent der Schulen, heißt es. In 8 Prozent der Fälle bemängelten die Prüfer das Fehlen jeglicher Querungshilfen, ob Ampel, Zebrastreifen oder Mittelinsel.

Der aktuelle Schulweg-Index verdeutlicht aus Sicht des ACE, dass es noch viel zu viele Risiken auf dem Schulweg gibt. Um sie zu beseitigen, müssten Landes- und Kommunalverwaltungen, aber auch Schulen und Eltern gemeinsam Verantwortung übernehmen, fordert der Verband. Er plädiert in diesem Sinn für konsequente Kontrollen, verständliche Aufklärung und eine sichere Infrastruktur. Noch immer würden zu viele Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg zur Schule verletzt, fügte der DVR-Präsident und Schirmherr der diesjährigen ACE-Clubinitiative, Manfred Wirsch, mit Blick auf die „alarmierenden Zahlen“ des ACE-Schulweg-Index 2025 hinzu. Man dürfe sich nicht damit abfinden, dass viele Kinder ihren Tag in einem Umfeld beginnen müssten, das für sie schlicht zu gefährlich sei, sagte Wirsch. Deshalb habe jeder Schulweg sicher zu sein, ergänzte Sven-Peter Rudolph, Vorsitzender des ACE Auto Club Europa.

„Leuchtende“ Vorbilder

Zum Thema „Sicherheit von Kindern im Straßenverkehr“ rät der ADAC zudem, die jungen Menschen ganz besonders im Herbst und im Winter möglichst hell zu kleiden, damit sie besser gesehen werden. Hierzu macht der Automobilclub folgende Rechnung auf: Ein dunkel gekleideter Fußgänger ist von einem Autofahrer bei schlechten Sichtverhältnissen erst aus rund 25 Metern Entfernung zu erkennen. Zum Vergleich: Der Anhalteweg eines Autos beträgt bei einer Notbremsung aus 50 km/h etwa 28 Meter. Das ist zu lang, um im Ernstfall rechtzeitig vor einem gefährdeten Verkehrsteilnehmer zum Stehen zu kommen, warnt der ADAC.

Deshalb empfiehlt der Verein allen Fußgängern, Kleidung mit reflektierenden Materialien zu tragen. Denn sie soll die Sichtbarkeit auf bis zu 140 Meter verbessern. In dieser Beziehung können Erwachsene Kindern ein „leuchtendes“ Vorbild sein.

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