Vermutlich jedem Autofahrer dürfte diese Situation bekannt vorkommen: Man ist in Gedanken noch bei einem beruflichen Meeting oder bereitet sich mental auf ein Gespräch beim Chef/Kunden vor, man freut sich auf eine bevorstehende Verabredung oder einen ruhigen Abend daheim – kurz man ist abgelenkt. Es sind ausgerechnet häufig solche Momente, in denen man durch unvorhergesehene Ereignisse gezwungen wird, schnell zu reagieren, um eine Kollision zu vermeiden. Und dann schlägt die große Stunde des Notbremsassistenten!

Der scannt mit seinen Sensoren oder Kameras permanent alles, was vor dem eigenen Auto geschieht. Dabei überwacht der Assistent speziell den Abstand zu einem vorausfahrenden Fahrzeug, misst die Geschwindigkeitsdifferenz zwischen den beiden Fortbewegungsmitteln und greift korrigierend ein, wenn kein ausreichender Sicherheitsabstand mehr gegeben ist. Der elektronische Helfer kann beschleunigen, wenn der Vordermann schneller fährt, bzw. die eigene Fahrgeschwindigkeit verringern, wenn das Auto vor einem langsamer wird. Einfach ausgedrückt berechnet der Notbremsassistent kontinuierlich, ob ein Auffahrunfall droht. 

Ist dies der Fall, weist das System den Fahrer darauf mit einem akustischen Warnsignal hin, mit einer optischen Warnanzeige im Instrumentenbereich oder beidem. Damit hätte ein einfacher Kollisionswarnassistent seine Aufgabe schon erfüllt, nicht jedoch der Notbremsassistent. Dieser errechnet nämlich zugleich, wie viel Bremsdruck erforderlich ist, um einen Unfall noch zu verhindern, und baut diesen automatisch auf, sobald der Fahrer die Bremse betätigt – und zwar unabhängig davon, wie stark der Fahrzeuglenker von sich aus das Bremspedal betätigt. Reagiert der Fahrer gar nicht oder nicht rechtzeitig auf die entsprechenden Warnungen des Systems, wird dieses selbstständig tätig und leitet das ein, was dem Assistenten seinen Namen gegeben hat: eine Notbremsung. Im besten Fall wird dadurch ein Unfall verhindert, auf jeden Fall läuft die Kollision glimpflicher ab als ohne den elektronischen Helfer. Er leitet übrigens auch die entsprechenden Maßnahmen ein, wenn Kollisionskurs mit einem Fußgänger, einem Radfahrer oder anderen Verkehrsteilnehmern anliegt.

Laut Unfallauswertungen der Verbraucherschutzorganisation Euro-NCAP (engl. für European New Car Assessment Programme) sollen Fahrzeuge mit einem Notbremssystem deutlich seltener in Auffahrunfälle verwickelt sein als Autos ohne ein solches System. Als erfreulich wertet der ADAC daher, dass solche Sicherheitsassistenten nicht mehr nur eine Domäne der hochpreisigen Fahrzeuge seien. Denn der Notbremsassistent hat unterdessen auch Einzug in Kleinwagen und Mittelklassemodelle gehalten. 

Weil der Notbremsassistent in vielen Tests überzeugen konnte, gehört er seit 2015 europaweit zur Pflichtausstattung für alle neu zugelassenen LKW mit mehr als acht Tonnen Gewicht. Und ab kommendem Jahr soll der sogenannte City-Notbremsassistent, der speziell auf Fußgänger und Radfahrer ausgerichtet ist, für Neuwagen serienmäßig zur Pflicht werden.

So weit, so gut. Allerdings haben Tests ebenfalls gezeigt, dass die Funktionalität dieser Assistenzsysteme eingeschränkt sein bzw. sich von Fahrzeugmodell zu Fahrzeugmodell unterscheiden kann, wie der ADAC feststellte. Als auffällig dabei hebt der Automobilclub die zum Teil sehr großen Differenzen zwischen einzelnen Fahrzeugmodellen hervor. Aber auch bei ein und demselben Auto stellten die Tester teilweise erhebliche Unterschiede bei der Notbremsung fest: So erkennt ein System zum Beispiel Fußgänger sehr gut und bremst rechtzeitig vor ihnen, versagt jedoch beim Bremsen vor einem Fahrradfahrer.

Außerdem arbeiten die Notbremsassistenten vielfach in unterschiedlichen Geschwindigkeitsbereichen: Die günstigeren Systeme funktionieren oft nur bei innerstädtischem Tempo. Deshalb heißen sie auch City-Notbremsassistent oder ähnlich. Eins haben hingegen alle Notbremsassistenten gemeinsam: Damit sie ihre Aufgaben einwandfrei erledigen können, müssen die entsprechenden Kameras oder Sensoren ein freies Sichtfeld haben. Deshalb sollten Autofahrer darauf achten, dass die „Augen“ des Assistenten nicht durch Dreck oder sonst wie beeinträchtigt sind, damit das Notbremssystem im Bedarfsfall seinen sicherheitsfördernden Job erledigen kann.

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