
DFRS ist eine europaweite öffentlich-private Partnerschaft, die den sicheren und reziproken Austausch von sicherheitsrelevanten Verkehrsinformationen (Safety-Related Traffic Information, SRTI) ermöglichen soll. So lautet die offizielle Definition. Doch was genau steckt dahinter? Kurz gesagt: Die Initiative „Data for Road Safety“ entwickelte ein Ökosystem für sicherheitsbezogene Verkehrsinformationen (SRTI), das Fahrerinnen und Fahrer vor gefährlichen Fahrbedingungen warnen soll. Ein Digitales Ökosystem ist laut Definition der Fraunhofer-Gesellschaft ein sozio-technisches System, in dem Unternehmen und Menschen kooperieren, die zwar unabhängig sind, sich von der Teilnahme aber einen gegenseitigen Vorteil versprechen. Ein Digitales Ökosystem hat in seinem Zentrum eine digitale Plattform, die diese Kooperation über Ökosystem-Dienste besonders gut unterstützt.
Elektronische „Augen auf der Straße“
Was bedeutet dies nun im Zusammenhang mit DFRS? Dieses sektorübergreifende Ökosystem bringt Fahrzeughersteller, Behörden und Verkehrsdienstleister zusammen, um Live-Gefahrenwarnungen auszutauschen, wie es in der Selbstdarstellung heißt. Demnach sollen die Fahrzeuge zu „Augen auf der Straße“ werden, die gemeinsam kritische Sicherheitssituationen erkennen, diese frühzeitig kommunizieren und darauf reagieren. So soll das Ökosystem „Data for Road Safety“ (DFRS) seinem Namen gerecht werden und die Zukunft der europäischen Verkehrssicherheit gestalten: indem es die Zahl der Todesopfer senkt, die betriebliche Effizienz verbessert und mittels Echtzeit-Verkehrsdaten aus Fahrzeugen, von der Öffentlichkeit und von Straßenverkehrsbehörden eine Grundlage für intelligentere Mobilität schafft.
Dabei versteht sich DFRS nicht mehr nur als eine Plattform, die verschiedene Beteiligte zusammenführt. Vielmehr sollen bei Data for Road Safety Fahrzeughersteller, Dienstleister, Straßenverkehrsbehörden, Ministerien und Verbände in einem lebendigen Ökosystem zusammenarbeiten und gemeinsam daran mitwirken, durch den Datenaustausch für sicherere Fahrten einen Beitrag zu Europas „Vision Zero“ zu leisten.
Vision Zero hat die EU-Kommission als verkehrspolitische Strategie der Gemeinschaft ausgegeben: Ihr Ziel ist es, die Zahl der Verkehrstoten bis 2050 auf Null zu senken. Die Bundesregierung hat dieses Ziel in ihrem Koalitionsvertrag und im Verkehrssicherheitsprogramm 2021-2030 festgeschrieben. Dazu soll der Austausch sicherheitsrelevanter Verkehrsinformationen in Echtzeit (Safety-Related Traffic Information, SRTI) einen wesentlichen Beitrag leisten.
„Kraft der Zusammenarbeit“
In einem sogenannten Wirkungsbericht verdeutlicht die DFRS-Community, zu der von deutscher Seite unter anderem Autohersteller wie BMW, Mercedes und Volkswagen gehören, anhand von Anwendungsfällen in anschaulichen Beispielen, wie die „Kraft der Zusammenarbeit“ Europas Straßenverkehr sicherer machen soll. Etwa in Form von Warnungen vor Glatteis bzw. rutschigen Straßen. Dazu beschreibt DFRS folgende Situation: An einem frostigen Morgen in Schweden gerät ein Auto auf eine nicht sichtbare Glatteisstelle. Die Sensoren des Fahrzeugs erkennen den plötzlichen Traktionsverlust und warnen sofort in der Nähe befindliche Fahrzeuge – unabhängig von der Marke! – vor der rutschigen Stelle. Andere herannahende Fahrerinnen und Fahrer erhalten so rechtzeitig eine Warnmeldung auf dem Armaturenbrett, können ihre Geschwindigkeit verringern und ein Schleudern vermeiden. Auf diese Weise werde auch eine mögliche Kettenreaktion auf der vereisten Autobahn verhindert, betont DFRS. Durch die Weitergabe von Echtzeitdaten zur Straßenoberfläche macht also das erste Auto alle anderen auf die vor ihnen liegende Gefahr aufmerksam und trägt so dazu bei, einen Unfall zu vermeiden.
Ähnlich funktioniert der Austausch sicherheitsrelevanter Verkehrsinformationen in Echtzeit bei Warnungen vor Nebel oder Sichtbeeinträchtigungen allgemein. Dies verdeutlicht DFRS an dem Fall von spät in der Nacht auf einer deutschen Autobahn befindlichen Autofahrerinnen und -fahrern, deren Sicht von dichtem Nebel eingeschränkt wird, was aufgrund verzögerter Reaktionszeiten einen Massenunfall bedingt. In dem Moment, in dem sich jedoch die Airbags in den beteiligten Fahrzeugen auslösen, wird über das gemeinsame Sicherheitsnetzwerk eine Gefahrenwarnung an alle nachfolgenden Fahrzeuge gesendet. Fahrerinnen und Fahrer, die noch weit genug vom Unfallort entfernt sind, erhalten sofort Warnmeldungen auf ihre Displays und können so rechtzeitig ihre Fahrgeschwindigkeit vermindern, noch bevor sie erste Trümmerteile sehen. So sollen Folgeunfälle verhindert und es dem übrigen Verkehr ermöglicht werden, die Unfallstelle zu umfahren.
Grenzüberschreitende Warnungen
Selbst grenzüberschreitende Reisende, die sich von der niederländischen Seite der Autobahn nähern, erhalten die Warnung, da das System europaweit funktioniert, wie DFRS betont. Solche Frühwarnungen bei schlechten Sichtverhältnissen sollen Fahrerinnen und Fahrern entscheidende Zeit zum Reagieren verschaffen und so das Risiko von Massenunfällen erheblich vermindern.
Weitere Praxisbeispiele für den erwarteten Zugewinn an Verkehrssicherheit durch den vernetzten Austausch von Verkehrsdaten via DFRS sind unter anderem Warnungen vor Schlaglöchern auf Landstraßen, Hinweise auf Fremdkörper auf der Fahrbahn, der „Animal Crossing“-Alarm, um Kollisionen mit Tieren zu verhindern, Warnungen vor Fußgängern am Straßenrand sowie Benachrichtigungen über herannahende Rettungsfahrzeuge.
In letztgenanntem Beispielfall rast im dichten Londoner Verkehr ein Rettungswagen zu einem Einsatzort. Ausgestattet mit einem vernetzten Warnsystem übermittelt der Rettungswagen seinen Standort und seine Route über eine gemeinsame Sicherheits-Cloud an in der Nähe befindliche Fahrzeuge, wie DFRS erläutert. Daraufhin erhalten Fahrerinnen und Fahrer verschiedener Marken und Modelle auf ihr Armaturenbrett eine Meldung oder hören eine Warnung, dass sich ein Rettungsfahrzeug von hinten nähert. Und dies geschieht bereits lange bevor die Sirene für die Personen am Steuer zu hören ist. Sie können daraufhin ihre Autos frühzeitig zur Seite lenken oder ihre Geschwindigkeit verlangsamen, um den Weg freizumachen.
Rettungswagen macht Kreuzung frei
Diese koordinierte Reaktion verkürze nicht nur die Anfahrtszeit des Rettungswagens, sondern minimiere auch Panikbremsmanöver und Verwirrung auf der Straße, betont DFRS. In einem konkreten Fall in Paris soll ein Rettungswagenalarm so dazu beigetragen haben, eine stark befahrene Kreuzung reibungslos freizumachen. Dadurch habe sich die Fahrzeit zum Krankenhaus um mehrere Minuten verkürzt, hebt DFRS hervor, was in einem Notfall einen entscheidenden Unterschied bedeuten kann.
Es geht also bei DFRS darum, Warnungen vor akuten Risiken im Straßenverkehr in Echtzeit zu übermitteln. Zu diesem Zweck sammeln vernetzte Fahrzeuge und Straßeninfrastrukturen Sensordaten, anonymisieren diese und teilen sie in einem geschützten Ökosystem mit anderen Verkehrsteilnehmern sowie Behörden. Diese „Weisheit der Vielen“ mache den Straßenverkehr bereits heute für alle sicherer, stellt stellvertretend DFRS-Partner Volkswagen fest.
Links
- https://www.geelyauto.eu/posts/geely-auto-first-chinese-carmaker-to-join-dfrs
- https://www.volkswagen-group.com/de/pressemitteilungen/daten-fuer-mehr-verkehrssicherheit-volkswagen-group-startet-europaweite-initiative-20088
- https://www.dvr.de/ueber-uns/positionen-des-dvr/beschluesse/erhoehung-der-verkehrssicherheit-durch-c-its
- https://www.dataforroadsafety.eu/
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