Hier liegt die Betonung durchaus auf „wirksam“, denn Tests zeigten, dass die automatisch bremsenden Parkassistenten noch nicht optimal arbeiten. Dabei sei die dafür erforderliche Technik in den meisten Pkw schon vorhanden, stellt etwa der ADAC fest: In Form von Heck-Ultraschallsensoren, die lediglich mit jener Bremsfunktion verknüpft werden müssten, die das in Neuwagen obligatorische ESP-System bereits beherrscht.

Meist verwenden AEB-Systeme Fernbereichsradar, Stereo-Kameras und die sogenannte Lidar-Technik. Beim Fernbereichsradar (Long Range Radar – LRR) handelt es sich um ein System, das seine elektromagnetischen Wellen bis zu 200 m weit aussenden und Geschwindigkeiten von 30 bis 250 km/h checken kann. Das LRR überwacht mit seinem ausgesendeten Radarstrahl den Raum vor und seitlich von einem Auto. Dabei identifiziert das System vorausfahrende Fahrzeuge ebenso wie stationäre Objekte und errechnet anhand der eigenen Fahrgeschwindigkeit und Fahrtrichtung, ob es mit diesen Objekten zu einer riskanten Konstellation kommen kann. Werden die Umstände als kritisch bewertet, gibt das AEB-System dem Fahrer ein Warnzeichen. Erfolgt darauf keine Reaktion, wird der Notbremsassistent seiner Bezeichnung gerecht, indem er zur Vermeidung eines Unfalls in den Bremsvorgang eingreift und möglicherweise zu spätes Bremsen verhindert. 

Die eben erwähnte laserbasierte Lidar-Technik wiederum dient dazu, Objekte wie andere Kraftfahrzeuge, Verkehrszeichen, Straßenbegrenzungen oder Bäume, die sich vor, hinter und seitlich vom eigenen Fahrzeug befinden, zu erfassen und den Abstand zu ihnen festzustellen. Lidar-Systeme können zudem dazu verwendet werden, Geschwindigkeit zu messen. Damit unterstützt diese Technik Fahrerassistenzsysteme. In all diesen Systemen arbeiten Sensoren, Videokameras sowie Radartechnik zusammen und bilden so wichtige Voraussetzungen für das autonome Fahren der Zukunft.

Doch bis es soweit ist, sollen diese Technologien schon heute einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, Unfälle zu vermeiden. Wie etwa solche, die beim Rückwärtsfahren passieren können, wenn – wodurch auch immer – die Sicht des Autofahrers nach hinten beeinträchtigt wird. So macht nicht zuletzt die Unfallforschung der Versicherer (UDV) deutlich, dass mit rund 17 Prozent fast ein Fünftel aller Pkw-Fußgänger-Unfälle passiert, während ein Auto langsam rückwärtsfährt. Dabei kommt es nicht selten zu schweren Personenschäden, weil in mehr als 60 Prozent dieser (Un-)Fälle der Fußgänger 69 Jahre oder älter ist. Schließlich kann auch ein leichter „Rempler“ beim Zurücksetzen nicht nur bei einem älteren Menschen erhebliche Verletzungen herbeiführen. Nicht zu vergessen: Kinder sind in dieser Hinsicht mindestens ebenso gefährdet.

Darüber hinaus können Notbremssysteme beim Rückwärtsfahren auch (Haftpflicht-)Sachschäden in beträchtlicher Höhe verhindern, wie Studien der deutschen Versicherer belegen. Demnach sollen mit aktiv bremsenden Parkassistenten zwei Drittel der Park- und Rangierschäden vermieden werden können. Dies entspreche einem volkswirtschaftlichen Einsparpotenzial von 2,1 Milliarden Euro jährlich, rechnet der ADAC vor.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen US-amerikanische Untersuchungen. So bestätigen die Verkehrssicherheitsexperten des Insurance Institute for Highway Safety (IIHS) und des Highway Loss Data Institute (HLDI) die Wirksamkeit von automatisch bremsenden Parkassistenten. Solche unfallverhindernde Technologien, die bei Bedarf selbsttätig eingreifen, seien effektiver als reine Warnfunktionen, stellen die Sicherheitsforscher fest. Kaum eine andere Unfallvermeidungs-Technologie verhindere so viele Sachschäden wie die AEB-Systeme, erklärte HLDI-Chef Matt Moore auch mit Verweis auf die dadurch eingesparten Kosten.

Deshalb plädieren Fachleute übereinstimmend dafür, dass möglichst viele Autohersteller AEB-Systeme anbieten sollten, um Unfälle beim Rückwärtsfahren zu vermeiden. Zwar seien diese Systeme noch nicht perfekt, räumt der ADAC mit Verweis auf eigene Tests diesbezüglich ein. Dabei wurde nämlich deutlich, dass die untersuchten AEB-Systeme noch nicht zu 100 Prozent zuverlässig arbeiten. Doch um Unfälle und Verletzungen zu vermeiden, ruft nicht nur der Automobilclub Kfz-Käufer dazu auf, sich beim Händler gut über den Funktionsumfang der angebotenen Systeme informieren und sich die oft unübersichtliche Preisliste erläutern zu lassen. Als ideal erachten die Club-Tester bei AEB-Systemen übrigens eine Kombination von Radar- und Ultraschallsensoren. Wobei demnach bereits die kostengünstigen Ultraschallsensoren sehr effektiv sein sollen.

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