
Der mittlerweile 19. Dekra Verkehrssicherheitsreport mit dem Titel „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ untersucht das Gefährdungspotenzial von Menschen, die im öffentlichen Straßenraum arbeiten, wie etwa Berufskraftfahrerinnen und -fahrer oder Beschäftigten von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten, und beleuchtet dabei die verschiedenen Problemfelder rund um dieses Thema aus Sicht der Unfallanalytik, der Verkehrspsychologie, der Fahrzeugtechnik, der Infrastrukturgestaltung sowie der Gesetzgebung. Außerdem soll der Verkehrssicherheitsreport nachhaltige Optimierungsmaßnahmen aufzeigen.
Die Dekra-Studie benennt Müdigkeit, Stress und Ablenkung als größte Unfallverursacher. Mit ursächlich für viele Verkehrsunfälle sei eine Vielzahl schwer kalkulierbarer Einflüsse, erläutert Jann Fehlauer, Geschäftsführer der Dekra Automobil GmbH. „Ungünstige Witterungsbedingungen, hohes Verkehrsaufkommen, technische Störungen oder das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmender können jederzeit unvorhersehbare kritische Situationen zur Folge haben“, zählt Fehlauer auf. Zudem benennt er Zeitdruck, unregelmäßige Arbeitszeiten, monotone Fahrsituationen, fehlende Erholungsphasen und hohe Leistungsanforderungen als mögliche Ursachen von Stress und Ermüdung bei Verkehrsteilnehmern. Gerade Müdigkeit gelte als einer der wichtigsten Risikofaktoren im Straßenverkehr, da sie die Reaktionsfähigkeit und Aufmerksamkeit erheblich beeinträchtige, hebt der Dekra-Geschäftsführer hervor.
Studien zufolge soll das Risiko für einen Unfall aufgrund von Schlafmangel um das Achtfache ansteigen. Die Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten sowie gezielte Gesundheitsförderung könnten Übermüdung, Stress und Fehlbeanspruchung reduzieren und damit die Unfallgefahr senken, führt Fehlauer weiter aus.
Eine weitere große Herausforderung moderner Verkehrssicherheit sieht der Dekra-Report in der Ablenkung durch technische Geräte. Dies betrifft demnach nicht zuletzt Berufskraftfahrerinnen und -fahrer. Denn Digitalisierung und Vernetzung verändern deren Arbeitsprozesse grundlegend. Navigationssysteme, digitale Auftragssteuerung und automatisierte Fahrfunktionen erleichterten zwar viele Aufgaben, führten jedoch auch zu neuen Anforderungen, heißt es in der Studie. Beschäftigte müssten gleichzeitig mehrere Informationsquellen verarbeiten und Entscheidungen treffen, während sie ihre Aufmerksamkeit auf den Verkehr richten. Insofern stelle die hohe Komplexität moderner Verkehrssysteme einen weiteren Risikofaktor am „Arbeitsplatz Straßenverkehr“ dar.
Auch für ihren aktuellen Verkehrssicherheitsreport führte die Dekra nach eigenen Angaben wieder umfangreiche Fahrversuche und Crashtests durch, um herauszufinden, wie Fahrzeuge, Assistenzsysteme und Sicherungseinrichtungen tatsächlich reagieren, wenn es darauf ankommt. Außerdem analysierte die Prüfgesellschaft in einem Crash-Vergleich die Absicherung von Arbeitsstellen im Straßenverkehr mit und ohne energieabsorbierende Systeme. In gesonderten Tests untersuchte die Dekra darüber hinaus unter anderem die Detektions- und Reaktionsfähigkeit moderner Notbremsassistenz-Systeme gegenüber mobilen Absperrtafeln.
Weitere Tests hätten die hohe Wirksamkeit C-ITS-basierter Nahbereichswarnungen unter Beweis gestellt, berichtet die Dekra weiter. Die Abkürzung C-ITS steht für „Cooperative Intelligent Transport System“ und bezeichnet kooperative Technologien zur drahtlosen verkehrsträgerübergreifenden Kommunikation von Fahrzeugen untereinander, mit der Infrastruktur sowie nicht-motorisierten Verkehrsteilnehmenden.
Insgesamt macht die aktuelle Studie aus Sicht des AvD wiederum deutlich, dass gezielte Verkehrssicherheitsmaßnahmen wirksamer seien als starre Tempolimits. Verkehrssicherheit könne nur durch ein Zusammenspiel aus verantwortungsvollem Verhalten, intelligenter Infrastruktur und moderner Verkehrssteuerung nachhaltig verbessert werden, betont der Automobilclub. Entscheidend sei nicht allein die Geschwindigkeit, sondern ein zu geringer Abstand, riskante Spurwechsel sowie unangepasstes Verhalten bei hohem Verkehrsaufkommen oder schlechten Wetterbedingungen, stellt der AvD fest.
Eine reine Fokussierung auf technische Lösungen reiche nicht aus, wenn die Rahmenbedingungen oder menschliche Faktoren unberücksichtigt blieben, mahnt Dekra-Geschäftsführer Fehlauer. Vielmehr bedarf es demnach zur Verbesserung der Sicherheit auf unseren Straßen eines Zusammenspiels aus Infrastruktur, Technik, Organisation und persönlichem Verhalten im Straßenverkehr.
Um die Verkehrssicherheit in Deutschland insgesamt, aber insbesondere auch für Menschen, die im Straßenraum arbeiten, voranzubringen, hat die Dekra zehn Forderungen formuliert. Dazu zählen unter anderem ein konsequenter Schutz von Arbeitsstellen im Straßenraum, die vollständige und differenzierte Erfassung arbeitsbezogener Verkehrsunfälle sowie eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Transportwesen. Ferner sollen die Vorschriften zur Ladungssicherung konsequenter überwacht und die Gefahrgutvorschriften weiterentwickelt sowie deren Einhaltung mehr kontrolliert werden. Darüber hinaus plädieren die Sachverständigen für strengere Kontrollen der Lenk- und Ruhezeiten, den Ausbau sicherer, beleuchteter und überwachter Lkw-Parkplätze sowie eine verbindliche Einführung von Gesundheitsförderprogrammen für Berufskraftfahrerinnen und -fahrer. Und last, but not least soll es hochautomatisiertes Fahren aus Sicht der Dekra nur unter klar definierten Sicherheitsbedingungen geben.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ereigneten sich 2024 rund 290.700 Unfälle mit Personenschaden in Deutschland. Dabei kamen 2.770 Menschen ums Leben und mehr als 50.000 wurden schwer verletzt. Der AvD verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass Autobahnen weiterhin zu den sichersten Straßenarten in Deutschland zählen. Lediglich 6,7 Prozent (19.460) der Verkehrsunfälle mit Personenschaden ereigneten sich 2024 auf Autobahnen, während innerorts 69,6 Prozent und auf Landstraßen 23,7 Prozent registriert wurden.
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