Als Erfinder des Airbags gilt ein deutscher Ingenieur namens Walter Linderer. Er konstruierte bereits Anfang der 1950er Jahre die ersten Luftsäcke für das Auto und meldete 1951 seine „Einrichtung zum Schutze von in Fahrzeugen befindlichen Personen gegen Verletzungen bei Zusammenstößen“ zum Patent an. Doch sein passives Sicherheitssystem fand damals noch wenig Anklang, weil die ersten Airbags unter einigen „Kinderkrankheiten“ litten. So lösten die frühen Luftsäcke noch viel zu ungenau aus. Das lag vor allem daran, dass diese Säcke mit Pressluft aufgeblasen wurden, was viel zu lange dauerte. Zudem mangelte es noch an dem passenden Kunststoff-Material für den Sack.

So vergingen noch rund 20 Jahre weltweit intensiver Entwicklungstätigkeit bis 1974 der US-amerikanische Autoproduzent General Motors (GM) erstmals ein Serienfahrzeug mit Airbag anbot. Doch dieses litt ebenfalls noch unter technischen Mängeln und scheiterte daraufhin krachend am Markt. Derweil arbeitete die damalige Daimler-Benz AG weiter an der Konstruktion einer Kombination von Airbag und Gurtstraffer und präsentierte dieses Rückhaltesystem sechs Jahre später als damaliges Highlight der passiven Sicherheitsinnovation. Deutsche Autofahrer konnten – die entsprechenden finanziellen Möglichkeiten vorausgesetzt – die ersten Airbags in der S-Klasse von Mercedes als Sonderzubehör ordern. Seitdem haben die lebensrettenden Luftsäcke in alle Fahrzeugklassen aller Hersteller Einzug gehalten und sind als modernes Sicherheitsfeature nicht mehr wegzudenken.

Zumal der Airbag seitdem auch immer weiterentwickelt und optimiert wurde. Grundsätzlich funktioniert er zwar immer noch nach dem gleichen Prinzip: Bei einem Crash erhält ein spezieller Sensor einen Impuls. Weist dieser auf einen ausreichend schweren Unfall hin, löst der Airbag-Sensor sozusagen eine Mini-Explosion aus. Dabei verbrennt pyrotechnisches Material, wodurch in der Folge das Gas erzeugt wird, welches den Luftsack füllt. Unterdessen läuft dieser Vorgang innerhalb von rund 30 Millisekunden ab, bis der Airbag gefüllt ist und seine schützende Funktion erfüllt.

Bei den ersten dieser Sicherheitssysteme handelte es sich um Kopf- bzw. Front-Airbags. Ihre Aufgabe bestand – und besteht bis heute – darin, bei einer heftigen Verzögerung des Fahrzeugs, wie sie im Fall einer Kollision auftritt, zu verhindern, dass Kopf- und Oberkörper der Insassen gegen das Cockpit geschleudert werden. Diese Luftsäcke befinden sich im Lenkrad bzw. im Armaturenbrett vor dem Beifahrer und bestehen aus einem extrem reißfesten Polyamid-Gewebe, das in ähnlicher Form auch für kugelsichere Westen verwendet wird.

Im Laufe der Zeit kamen zu diesen Sicherheitsvorrichtungen Seitenairbags hinzu. Sie dienen dazu, den seitlichen Oberkörper von Fahrzeuginsassen zu schützen sowie diese bei einer Seitenkollision vom Crash-Bereich wegzuschieben. Solche Luftsäcke wurden von dem schwedischen Hersteller Volvo Mitte der 1990er Jahre erstmals in deren Autos eingebaut. In modernen Wagen finden sich inzwischen auch zunehmend Knie-Airbags, die verhindern sollen, dass bei einem Unfall die unteren Extremitäten – insbesondere des Fahrers – mit dem auf seiner Seite weiter in den Innenraum ragenden Armaturenbrett kollidieren. Und vergleichsweise neu auf dem Markt sind sogenannte Gurt-Airbags. Sie dienen speziell dem Schutz der Passagiere auf den Rücksitzen, deren Oberkörper zuvor fast nur vom Sicherheitsgurt gehalten wurde.

Seit die Luftsäcke in Autos eingebaut werden, haben sie nachweislich bereits unzählige Menschenleben gerettet. Und die Techniker und Ingenieure tüfteln an immer weitergehenden Verbesserungen von Airbagsystemen. So wird in den Testlabors derzeit an sogenannten Mittelkonsolen-Airbags geforscht, die bei seitlichen Kollisionen ausschließen sollen, dass nebeneinandersitzende Fahrzeuginsassen gegeneinander geschleudert werden. 

Dieser kurze Abriss der Entwicklungsgeschichte des Airbags macht deutlich, dass diese passiven Sicherheitssysteme aus modernen Autos bislang nicht wegzudenken sind.

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