Manche Menschen gehen nonchalant und unbesorgt durchs Leben, ohne sich viele Gedanken über Gefahren zu machen, die sie betreffen können, blenden diese aus oder nehmen sie sogar in Kauf. Zu Letzteren könnte man etwa Biker zählen, die um die Risiken wissen, die mit ihrer bevorzugten Art der motorisierten Fortbewegung verbunden sind, diese jedoch in Abwägung mit der Freude, die ihnen das Motorradfahren bereitet, akzeptieren. Gänzlich anders gepolt sind „grundbesorgte“ Zeitgenossen, die „aus Mücken Elefanten machen“, also mit der ständigen Befürchtung leben, ihnen könnte etwas zustoßen. In der „goldenen Mitte“ zwischen diesen Extremen befindet sich der „Risikorealist“, der die mit seiner Lebensführung verbundenen Gefährdungen ziemlich nüchtern und korrekt zu kalkulieren vermag.

Doch was beinhaltet eine realistische Risikoeinschätzung – und wo liegen wir häufig daneben? Inwiefern über- oder unterschätzen wir die Eintrittswahrscheinlichkeit von Risiken? Nehmen wir ein Beispiel: Wenn in den Medien über einen Gewaltakt berichtet wird, der Tote und Verletzte kostet, steigt in der Bevölkerung verbreitet die Angst vor Terrorismus. Das ist statistisch belegbar und wird von Experten als eine ganz normale Reaktion bewertet. Dennoch ist die Perspektive, selbst Opfer eines Anschlags zu werden, hierzulande objektiv als eher gering einzuschätzen.

Dagegen machen sich die wenigsten Menschen, wenn sie das Haus verlassen, Gedanken darüber, was ihnen etwa im Straßenverkehr widerfahren kann. Dabei ist in diesem alltäglichen Lebensbereich die Wahrscheinlichkeit, zu Schaden zu kommen, statistisch gesehen für jeden Einzelnen von uns sehr viel höher als die Gefahr, zu einem Terroropfer zu werden. Hier spielt uns unsere falsche Risikoeinschätzung also einen Streich.

Beispiele dafür lassen sich zahllos aufzählen: Da sind die Menschen, die Angst vor dem Fliegen haben, obwohl dies die erwiesenermaßen sicherste Art der Mobilität ist, und die gleichzeitig ignorieren, wie viele Unfälle tatsächlich tagtäglich im häuslichen Bereich geschehen. Die Gründe für unsere fehlerhafte Risikowahrnehmung sehen die Experten Prof. Gatzert und Prof. Müller-Peters in psychologischen Verzerrungseffekten, die von realen Risiken ablenken und zu „irrationalen“ Entscheidungen sowie ungeeignetem Vorsorgen, also auch Versichern, führen. Die Wissenschaftler verweisen in dem Zusammenhang insbesondere auf „medienwirksame“ Ereignisse wie tödliche Verkehrsunfälle oder die Gefahr durch Terroranschläge, welche häufigere Ereignisse, wie etwa Sachschäden oder Eigentumsdelikte, gefühlt in den Hintergrund drängen. Das gilt demnach auch insbesondere für Brand- und Leitungswasserschäden oder – besonders auffällig – die Unterschätzung der Häufigkeit von Rechtsfällen.

Fakt ist somit, dass wir mit unseren Einschätzungen häufig danebenliegen – und dies vielfach zur Folge hat, dass wir uns falsch gegen Risiken bzw. gegen die objektiv falschen Risiken absichern. Und daraus können unangenehme finanzielle Konsequenzen resultieren. Zu typischen Fehleinschätzungen gehört laut einer Studie der beiden Wissenschaftler Prof. Gatzert und Prof. Müller-Peters zum Beispiel die Meinung, dass früher alles besser war. Weit gefehlt, wie die Experten nachweisen. Denn für diese Verklärung der Vergangenheit, die durch die Vielzahl von Negativmeldungen in den Medien befeuert wird, lässt sich bei einem objektiven Faktencheck vielfach keine Begründung finden – im Gegenteil: Bei wichtigen Themen, die die Bevölkerung besorgen, wie etwa Gewaltkriminalität, tödliche Verkehrsunfälle oder bei den allgemeinen Lebensbedingungen weisen die Statistiken faktisch Verbesserungen aus.

Um Nutzern nun die Möglichkeit zu eröffnen, überprüfen zu können, wie realistisch sie ihre Lebensrisiken einschätzen, haben die Experten Prof. Gatzert und Prof. Müller-Peters den Risikotest www.kenn-dein-risiko.de entwickelt. Dieser Risiko-Realitätscheck wurde von den Wissenschaftlern jetzt anhand von neuen Zahlen und Daten überarbeitet, aktualisiert und auf den neuesten Stand gebracht. Damit lässt sich nun nicht nur ganz nutzerfreundlich das persönliche Risikoprofil zweifelsfrei identifizieren, sondern auch klären, wo gegebenenfalls Versicherungslücken klaffen oder ob man sich in bestimmten Bereichen „überversichert“ hat.

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