Im Zuge fortschreitender Digitalisierung muss – und wird – die Medizin aus Sicht von Prof. Werner auch noch mehr in die Rolle hineinwachsen, nicht nur Reparaturbetrieb bei eingetretener Krankheit zu sein, sondern sich schon im Vorfeld um die Prävention zu kümmern und Krankheitsausbrüche zu verhindern oder zu verlangsamen. Dabei kommen Big Data, Data Analytics und KI eine wichtige Aufgabe zu, ist der Humanmediziner überzeugt. Denn sie machen das „Smart Hospital“ möglich, das Krankenhaus der Zukunft. Wobei der Begriff Krankenhaus eigentlich irreführend ist, weil das Smart Hospital eben keine räumliche Begrenzung auf einen begrenzten Gebäudekomplex bedeutet, sondern vielmehr eine sektorübergreifende Zusammenarbeit aller am Gesundheitswesen Beteiligten. Und diese Integration ermöglicht Big Data.

Das Smart Hospital beschreibt Prof. Werner als eine digital unterstützte, intelligent arbeitende Steuerungseinheit, die eben nicht allein auf ein Krankenhaus beschränkt ist, sondern eine Kooperation aller Teilhabenden im Gesundheitssektor beinhaltet: mit den niedergelassenen Ärzten ebenso wie mit den Pflegediensten, den Apothekern, Physiotherapeuten etc. Gleichermaßen beteiligt daran sind die unterschiedlichen medizinischen Fachrichtungen. Sie alle steuern aus ihrem Bereich qualitativ hochwertige Daten zur Gesundheits- und Krankengeschichte von Menschen bei, die im Smart Hospital gebündelt und mithilfe von KI ausgewertet werden.

Diese Daten sowie daraus abgeleitete Algorithmen verschaffen dann den Medizinern die Möglichkeit präziserer Diagnosen bei gleichzeitig weniger Belastung für den Patienten. So könnte etwa zukünftig bei der Prostatadiagnostik auf Gewebeentnahmen (Biopsien) verzichtet werden, berichtet Prof. Werner, wenn Ärzte sich mithilfe von bildlichen CT/MRT-Untersuchungen sowie auf Basis der im Rahmen von Smart Hospital entwickelten Algorithmen ein wenigstens ebenso genaues Bild davon machen können, ob es sich im konkreten Einzelfall um einen gut- oder bösartigen Tumor handelt. Damit bleibt dem Patienten die Biopsie erspart. Dies sei ein Beispiel dafür, wohin insbesondere bei der Krebsdiagnose die Entwicklung geht, erläutert Prof. Werner: Durch die Verwendung von Big Data und Data-Analytics viel schneller und genauer zu einer Befundung zu kommen. Und je umfassender die Datenbasis ist, desto präziser die Diagnostik. So kann beim Konzept des Smart Hospital Digitalisierung helfen, Diagnose und Behandlung sicherer und schneller zu machen – und gleichzeitig angenehmer für den Patienten.

Darüber hinaus können digitale Prozesse Ärzte, Krankenhaus- und Gesundheitspersonal zeitlich erheblich entlasten. Das verschafft neue Freiräume, um sich um das eigentlich Wichtige im Gesundheitswesen kümmern zu können: das Wohl der Patienten. Denn die Digitalisierung vereinfacht administrative Vorgänge und kürzt routinemäßige Tätigkeiten ab. Auch auf diese Weise kann Digitalisierung zu einer stärkeren Humanisierung des Gesundheitswesens führen und die Behandlung menschlicher, empathischer machen, betont Prof. Werner.

Kurzum: Die Digitalisierung würde zu einer besseren Versorgung der Patienten und zugleich zu besseren Arbeitsbedingungen für das Krankenhauspersonal führen, macht der Mediziner im GoslarTV-Interview deutlich. Deshalb setzt er sich als Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Essen auch dafür ein, dieses, „sein“ Krankenhaus zu einem der führenden im Bereich der Digitalisierung zu machen.

Um die Vorteile der Digitalisierung im Gesundheitswesen jedoch nutzen zu können, müssen diese den Bürgern kommuniziert werden, weiß auch Prof. Werner. Denn die Basis des Smart Hospital sind nun mal die Daten der bereits behandelten, aber auch möglichen zukünftigen Patienten. Und die stellen ein hochsensibles Gut dar, dessen Verwendung der Zustimmung der Betroffenen bedarf. Vor diesem Hintergrund plädiert der Mediziner im wohlverstandenen Interesse von Kranken allerdings auch dafür, bei allem Respekt vor den berechtigten Datenschutzinteressen dennoch Fortschritt nicht zu verhindern: „Patienten dürfen nicht zu Schaden kommen, weil aus Angst vor einer Verletzung von Datenschutzvorgaben Informationen nicht weitergegeben werden“, warnt Prof. Werner. Deshalb hält der Mediziner beim Thema Big Data im Gesundheitswesen ein „lösungsorientiertes Denken“ für notwendig, um Innovationen im Rahmen des Rechts zu ermöglichen statt zu verhindern.

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