
„Wir haben die bisher größte Hitzewelle im Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen überstanden, jedoch geht der meteorologische Sommer noch über zwei Monate und die statistisch wärmste Zeit des Jahres könnte weitere Hitzewellen bereitstellen“, stellt Tim Gotsch vom ARD-Wetterkompetenzzentrum fest. Er findet es beachtlich an den eben erlebten sehr hohen Temperaturen, dass sich diese extreme Hitze schon im Juni aufbaute und deshalb sämtliche Rekorde pulverisierte, wie Gotsch gegenüber dem WDR erklärte. Denn üblicherweise gebe es die heißeste Zeit des Jahres mit den größten Hitzewellen zwischen Mitte/Ende Juli und Mitte August, so der Wetterexperte. Somit darf man weitere hochsommerlich heiße Tage erwarten.
In dieser Zeit starten dann Jahr für Jahr auch wieder viele Familien in den großen Jahresurlaub, der sie vielfach in den Süden führt, wo man früher hinfuhr, um „richtig Sommer“ zu erleben. Angesichts bevorstehender weiterer intensiver Sommertage mit eventuell erneut sehr heißen Temperaturen, sei es bei uns oder in Urlaubsregionen, mahnen Experten Autofahrer zu Vorsicht und vorbeugenden Maßnahmen, damit sie Hitze unbeschadet überstehen. Denn bei hochsommerlichen Temperaturen nimmt die Leistungsfähigkeit der meisten Menschen ab, die Konzentration lässt nach, Reaktionszeiten verlängern sich. Damit steige das Unfallrisiko, warnt der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR).
Sicherheitsvorkehrungen gegen Hitze
Deshalb sind Sicherheitsvorkehrungen angesagt. Die sollten damit beginnen, dass man sich möglichst in den kühleren Morgen- oder Abendstunden auf den Weg macht, empfehlen Experten. Denn in den Morgenstunden ist das Fahrzeug meist noch kühler von der Nacht – und es ist auch noch nicht so viel Verkehr auf den Straßen. Wer abends startet, sollte sein Fahrzeug vorher möglichst abkühlen lassen, sprich in den Schatten stellen und durchlüften. Generell beginne der wirksamste Hitzeschutz bereits beim Parken, betont der Automobilclub von Deutschland (AvD). Wohl dem, der einen Schattenplatz hat oder findet. Dabei gelte es auch, den Sonnenstand zu berücksichtigen, unterstreicht der AvD.
Der Autofahrerverband plädiert zudem für außen angebrachte Sonnenschutzmatten oder Halbgaragen, weil diese die Sonnenstrahlung deutlich besser abhalten sollen als innenliegende Sonnenblenden. Dadurch lasse sich die Innenraumtemperatur merklich senken, stellt der AvD fest.
Halbgaragen bieten den besten Hitzeschutz
Ingenieure des ADAC-Technikzentrums in Landsberg am Lech überprüften bereits 2021 in einer eigens dafür durchgeführten Studie, was am besten gegen den Hitzestau im Auto hilft. Dafür wurden sieben Fahrzeuge mit entsprechendem Sonnenschutz-Zubehör ausgestattet, in der Sonne geparkt und die Temperaturentwicklung in der Mittagshitze aufgezeichnet, wie der ADAC berichtet. Ergebnis: Den besten Sonnenschutz für ein in der Sonne abgestelltes Auto bietet die Abdeckplane bzw. die sogenannte Halbgarage, da der Fahrzeuginnenraum rundum vor den Sonnenstrahlen geschützt ist und sich damit nicht so stark aufheizen kann. Bei den ADAC-Messungen war die Temperatur im Fahrzeug unter einer Halbgarage um beachtliche zehn Grad geringer als beim Auto ohne Sonnenschutz-Maßnahme.
Auch eine Sonnenschutzfolie oder sogenannte Thermomatte außen halten die Automobilclubs für sinnvoll. Solches Sonnenschutz-Zubehör außen auf der Windschutzscheibe stelle einen effektiven Hitzeschutz dar, weil es die Sonnenstrahlen reflektiere und so ein Aufheizen der Sitzbezüge und auch der Armaturen effektiv verhindere, befanden die ADAC-Tester. Insgesamt werde so die Lufttemperatur im Fahrzeuginneren um acht Grad verringert als ohne Sonnenschutz, berichten die Prüfingenieure. Sie halten deshalb Sonnenschutzfolien außen für den zweitbesten Schutz vor Hitze im Auto.
Sonnenschutzblenden innen angebracht halten die ADAC-Tester lediglich für „besser als nichts“. Diese reduzieren demnach zwar auch die Wärmeentwicklung im Auto, allerdings nur um vier Grad im Vergleich mit einem Referenzfahrzeug ohne Sonnenschutz. Eine Wirkung gegen Hitze biete die Sonnenblende zudem nur, wenn sie exakt der Innenscheibengröße entspricht, heben die Tester hervor. Ist das nicht der Fall, fällt der Hitzeschutzeffekt noch geringer aus.
Erstmal durchlüften
Geht es dann los, sollten zuvor alle Türen oder gegenüberliegenden Fenster für ein bis zwei Minuten geöffnet werden, um angestaute Heißluft entwichen zu lassen, rät der AvD. Erst danach empfiehlt sich der Einsatz der Klimaanlage. Für die ersten Minuten ist die Umluftfunktion sinnvoll, anschließend sollte auf Frischluft umgeschaltet werden. Der AvD empfiehlt, die Anlage nicht auf höchste Kühlung einzustellen, da dies den Kreislauf belastet, was sich besonders beim Ein- und Aussteigen bemerkbar machen kann. Eine Innenraumtemperatur von 22 bis 25 Grad Celsius gilt als angenehm und schont den Kreislauf. Außerdem sollte man die Kaltluft nicht direkt auf den Körper strömen lassen, da dies zu Erkältungen führen kann!
Eigentlich sollte es unnötig sein, zu erwähnen, dass man Kinder und Haustiere an heißen Tagen niemals im Fahrzeug zurücklassen darf. Denn schon bei sommerlichen Außentemperaturen über 20 Grad Celsius kann sich ein geparktes Fahrzeug innerhalb kurzer Zeit auf 46 Grad aufheizen, warnt der AvD. Daran ändern demnach auch leicht geöffnete Fenster wenig, weil dies Hitzestau kaum verhindert. Wer ein Kind oder ein Tier in einem überhitzten Fahrzeug entdecke, sollte sofort den Notruf verständigen, zitiert der AvD eine Empfehlung der Polizei. Denn bei akuter Lebensgefahr zählt jede Minute.
Ausreichend trinken
Als unverzichtbar bei längeren Autofahrten an heißen Tagen heben auch Mediziner eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr hervor. Schließlich könne bereits ein leichter Flüssigkeitsmangel Konzentration und Reaktionsvermögen beeinträchtigen, betont der AvD. Infolgedessen drohen nur allzu schnell Unfälle. Als Getränke während der Fahrt halten Experten Wasser oder ungesüßten Tee für die beste Wahl. Solche Getränke sollten regelmäßig zu sich genommen werden, raten die Fachleute, und nicht erst, wenn Durst entsteht.
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