Diese Einschätzung deckt sich weitgehend mit dem Resümee einer von der HUK-COBURG geförderten Studie des Goslar Instituts zur „Big-Data-Debatte“. Diese Analyse der Chancen und Risiken der digital vernetzten Gesellschaft (https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-27258-6) ergab unter anderem, dass viele Verbraucher durchaus bereit wären, ihre Daten – auch ohne Gegenleistung wie bei einem Telematiktarif – im Sinne von Anliegen des Allgemeinwohls an zertifizierte „Verwalter“ herauszugeben. Bei hochakzeptierten Zielen wie etwa Gesundheit, Sicherheit und Klimaschutz bestehe eine große Bereitschaft, dafür eigene Daten zur Verfügung zu stellen, berichtete die Mit-Autorin der Studie, Prof. Dr. Susanne Knorre von der Hochschule Osnabrück, beim Goslar Diskurs im Januar 2021.

Inzwischen arbeitet eine Forschergruppe dank der erneuten Förderung durch die HUK-COBURG an einer neuen Studie für das Goslar Institut zum Thema „Big Data in der Mobilität“. Beim diesjährigen Goslar Diskurs am Donnerstag, den 27.01.2022, der wegen der Corona-Pandemie auch in diesem Jahr wieder rein virtuell stattfinden muss, werden die Verfasser der neuen Studie erste Ergebnisse ihrer Forschung bekannt geben. Zu den Studienautoren zählen diesmal Prof. Dr. Nadine Gatzert von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Prof. Dr. Susanne Knorre von der Hochschule Osnabrück, Prof. Horst Müller Peters von der Technischen Hochschule Köln, Prof. Dr. Fred Wagner von der Universität Leipzig und Dr. Theresa Jost von der Forschungsgesellschaft V.E.R.S., Leipzig.

Die Forscher werden im Rahmen des Goslar Diskurs 2022 unter anderem zu folgenden Thesen Stellung nehmen: Unsere digitalen Begleiter sind mehr als nur „Technik“ – vielmehr Assistent, verlässlicher Freund, und Schlüssel zu einem Universum von Möglichkeiten die Mobilität der Zukunft betreffend. Gerade hierfür seien die digitalen Helfer unverzichtbar geworden, stellen die Autoren der neuen Studie des Goslar Instituts fest, weil die Assistenten Mobilität leichter, schneller und sicherer machen. Dem stehen demnach Stau und Stress als die unerfreuliche Kehrseite unserer Mobilität gegenüber. Den Ausweg aus diesem Dilemma verspricht aus Sicht der Wissenschaftler Big Data. Denn Mobilitätsdaten schaffen die Basis für digitalisierten Verkehr, der sich durch Attribute wie leise und fließend, autonom, komfortabel sowie hoch individualisiert auszeichnet. 

Diese Ansicht teilen laut der neuen Bitkom-Studie offenbar auch die meisten Bundesbürger. Denn in der Befragung äußerten jeweils 8 von 10 der Teilnehmer die Meinung, vorhandene Mobilitätsdaten von öffentlichen Einrichtungen (79 Prozent) oder privaten Unternehmen (84 Prozent) sollten für alle nutzbar sein, damit zum Beispiel andere Unternehmen wie Startups leichter neue Mobilitätsangebote entwickeln können. Für Bitkom-Präsident Achim Berg hat sich somit bei der Mehrheit der Deutschen die Einsicht durchgesetzt, dass Mobilitätsdaten „der Schlüssel zu einem nachhaltigen, klimafreundlichen und zugleich sicheren Verkehr der Zukunft“ sind. 

Dieser „Datenschatz“, wie Fachleute die Mobilitätsdaten etwa der Autofahrer bezeichnen, ist begehrt. Denn die Informationen, die von modernen Fahrzeugen in immer größeren Mengen gespeichert werden, sind für die Geschäftsmodelle rund um die Mobilität der Zukunft von unschätzbarem Wert. Bisher gibt es allerdings noch keinen Rechtsrahmen für die unzähligen Daten, die in einem Fahrzeug entstehen und die sich mit dem Fahrzeughalter verknüpfen lassen. Die Autohersteller haben hierzu zwar einen Vorschlag ausgearbeitet, der sie zum Treuhänder für die in den Fahrzeugen registrierten Mobilitätsdaten machen würde. Das Konzept soll der EU-Kommission in Kürze übermittelt werden. Es besteht jedoch Nachbesserungsbedarf an den Plänen der Autobranche, da diese nicht den Anforderungen der anderen Dateninteressenten hinsichtlich Neutralität und Diskriminierungsfreiheit genügen. Seitens der Europäischen Kommission ist somit weitere Regulierung erforderlich.

Insofern ist die neue Studie des Goslar Instituts nicht nur extrem eng am Puls der Zeit, sondern verspricht auch interessante Ansätze zur Lösung des Konflikts um die Big Mobilitäts-Data. Interessierte können den diesjährigen Goslar Diskurs zum Thema „Big Data in der Mobilität“ am Donnerstag, den 27. Januar 2022 ab 18.00 Uhr online auf www.goslar-institut.de verfolgen.

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