Einer der berühmtesten Kreisverkehre der Welt dürfte jener des Place Charles de Gaulle in Paris sein. Rund um den Arc de Triomphe de l’Étoile wuseln auf einem Durchmesser von rund 240 Metern die Fahrzeuge aus zwölf Straßen durcheinander, die in den Kreisel einmünden, darunter die Avenue des Champs-Élysées. Der Verkehr bewegt sich in vielfach nicht erkennbaren Fahrspuren und scheinbar ungeregelt. Dabei gilt hier an jeder Einmündung die Vorfahrtregel rechts vor links. Das vermeintliche Chaos im Kreisverkehr rund um den Arc de Triomphe gilt vielen ausländischen Paris-Besuchern als Symbol für das abschreckend Nervenaufreibende am Verkehr in der Metropole. Dieser Stress hält auch viele Franzosen von außerhalb davon ab, in ihrer Hauptstadt Auto zu fahren.

In Großbritannien passieren Verkehrsteilnehmer gefühlt jedes Zusammentreffen mehrerer Straßen im Kreisverkehr. Der heißt dort „roundabout“ – und nach kurzer Zeit möchte man die Kreisel nicht mehr missen, wenn man sich an den Linksverkehr gewöhnt hat. Denn rund um die „roundabouts“ kommt es nur selten zu Stockungen, der Verkehr läuft meist geschmeidig, selbst an mehrspurigen Kreiseln – insbesondere wenn man den üblichen Verkehrsfluss an deutschen Verkehrskontenpunkten zum Maßstab nimmt. In Südeuropa gelten Kreisverkehre ebenfalls als das Maß der Dinge für eine sichere und geschmeidige Verkehrsführung.

Auch hierzulande haben die Verkehrsplaner unterdessen eingesehen, dass der Verkehr in Kreiseln in der Regel flüssiger und sicherer fließt als an Kreuzungen mit oder ohne Ampeln bzw. entsprechender Beschilderung. Demzufolge schießen in Deutschland seit geraumer Zeit Kreisverkehre „wie Pilze aus dem Boden“, nicht immer ohne Vorbehalte. Als Hauptkritikpunkte an den Kreiseln wird meist angeführt, dass die Kreisverkehre für Radfahrer vielfach kein Plus an Sicherheit bedeuten würden, dass Busse und LKW mit kleinen innerstädtischen Kreisverkehren Probleme hätten, der größere Platzbedarf von Kreiseln im Vergleich mit Kreuzungen und dass viele Autofahrer mit den Regeln der Kreisverkehre nicht klarkämen. Dazu stellen Experten – etwa von der UDV – fest, dass die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer von der Gestaltung der Kreisel abhängig sei. Gleiches gilt demnach für die Schwierigkeiten von großen Kraftfahrzeugen. Und ziemlich übereinstimmend meinen Verkehrssicherheitsfachleute, dass Komplikationen in Kreisverkehren vielfach dem unsicheren Fahrverhalten der Autofahrer geschuldet seien.

Dabei ist eigentlich alles ganz simpel: In einem klassischen einfachen Kreisverkehr haben immer die Fahrzeuge im Kreisel Vorfahrt. Gleiches gilt für Radfahrer im Kreisverkehr. Deshalb stehen vor jeder Einfahrt in das Rondell ein Verkehrsschild mit den drei kreisförmig angeordneten Pfeilen auf blauem Grund (für Kreisverkehr) und das Verkehrszeichen mit dem auf der Spitze stehenden Dreieck mit rotem Rahmen auf weißem Grund (Vorfahrt gewähren). 

Nicht mehr ganz so einfach geht es in einem zweispurigen Kreisverkehr zu: Hier gilt, dass sich jene Fahrzeuge, die an der nächsten oder übernächsten Ausfahrt den Kreisverkehr wieder verlassen wollen, rechts, also in der äußeren Spur des Kreisels einordnen sollen. Wer erst später raus will, kann die innere Kreisspur wählen, muss aber vor dem Verlassen des Kreisverkehrs rechtzeitig auf die äußere Spur wechseln. Dabei darf der dort fließende Verkehr nicht behindert oder gefährdet werden! Wer außen fährt, hat also Vorrang. Das bedeutet für innen Fahrende, dass sie gegebenenfalls eine weitere Runde zu drehen haben, bis sie gefahrlos nach außen ziehen können.

Beim Fahrspurwechsel in einem Kreisel muss jeder Fahrer den Blinker setzen. Vor dem Ausfahren aus dem Kreisel haben alle Fahrer zu blinken, nicht hingegen beim Einfahren in das Rondell. Abweichende Vorfahrtsregeln gelten bei einem „unechten“ Kreisverkehr, im Amtsdeutsch einem kreisförmigen Knotenpunkt. Solche Kreisel finden sich hin und wieder in Wohngebieten. Sie sind leicht an den fehlenden Verkehrsschildern „Kreisverkehr“ zu erkennen. Bei derartigen Rondellen gilt „rechts vor links“, der Einfahrende hat also Vorrang. Hier muss der Blinker beim Ein- und Ausfahren gesetzt werden. 

In der Nachkriegszeit waren Kreisverkehre hierzulande noch weit verbreitet. Im Zuge der Verkehrsrechts-Reform von 1969 verschwand das Verkehrszeichen Kreisverkehr allerdings aus der Straßenverkehrsordnung (StVO), mit der Konsequenz, dass in der Folgezeit viele Kreisverkehre in Kreuzungen mit Ampelsteuerung umgebaut wurden. Erst mit der Änderung der StVO Ende 2000 wurde dann der § 9a in die StVO aufgenommen, in dem das Verhalten im Kreisverkehr geregelt und das Kreisverkehrsschild definiert ist.

Als Vorteil von Kreisverkehren im Vergleich mit herkömmlichen Verkehrsknoten wird zunächst auf die größere Verkehrssicherheit der Kreisel verwiesen. Dafür sorgen diese insbesondere durch die niedrige Geschwindigkeit der durchfahrenden Fahrzeuge. Zudem gelten die kreisförmigen Knotenpunkte als übersichtlicher und als erfolgversprechender, wenn der Verkehrsfluss verbessert werden soll. Weitere Argumente, die für Kreisverkehre sprechen, sind laut Experten eine bessere Wirtschaftlichkeit durch geringere Wartungskosten als bei ampelgesteuerten Kreuzungen sowie weniger Abgase und Lärm.

Wer nun aufgrund ihrer Präsenz annimmt, Kreisverkehre müssten etwa in Frankreich oder England erfunden worden sein, dürfte überrascht sein: Denn der um 1899 errichtete Görlitzer Brautwiesenplatz gilt als der vermutlich erste Kreisverkehr weltweit. Erst 1904 folgte in New York der Columbus Circle und 1907 in Paris der Kreisel rund um den Arc de Triomphe. Der größte Kreisverkehr der Welt soll sich im malaysischen Putrajaya befinden mit einem ellipsenförmigen Umfang von 3,4 Kilometern.

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