Wie sinnvolle und erfolgreiche Daten-Kooperationen aussehen können, macht beispielhaft der Zollernalbkreis im baden-württembergischen Regierungsbezirk Tübingen deutlich. Dort ist Winter gleichbedeutend mit Hochsaison bei den Straßenmeistereien. Um die Straßen im Winter sicherer zu machen und den Streusalzeinsatz weiter zu optimieren, setzt man dort unterdessen auf modernste digitale Lösungen – in Zusammenarbeit mit Autohersteller Mercedes. Dadurch können die Räum- und Streufahrzeuge rechtzeitig auf die richtigen Straßenabschnitte dirigiert werden.

Hierfür nutzen die Verantwortlichen die „Car-to-X“-Kommunikation der Fahrzeuge sozusagen als bewegliche Mikro-Wetterstationen. „Car-to-X“ bezeichnet bei Mercedes-Benz die Kommunikation von Fahrzeugen untereinander und mit der Verkehrsinfrastruktur. Autos, die über diese Technologie verfügen und deren Besitzer den sogenannten „Live Traffic Service“ über die Mercedes-App aktiviert sowie dem Teilen der anonymisierten Daten aktiv zugestimmt haben, liefern die dafür notwendigen Informationen. Diese kommen unter anderem von den ESP- oder ABS-Sensoren der Fahrzeuge: Erkennen sie rutschige Straßenverhältnisse, geben sie diese samt Positionsdaten über das fest eingebaute Mobilfunknetz des Fahrzeuges in Echtzeit an die Mercedes-Benz-Cloud weiter. Von dort werden die anonymisierten und validierten Informationen dann der Straßenmeisterei bereitgestellt.

Die Mercedes-Benz-Fahrzeugdaten sollen über den sogenannten „Mobility Data Space“-Datenraum eine sichere Integration von fahrzeugfremden Daten, wie Wetterkarten des Deutschen Wetterdienstes, ermöglichen und der Straßenmeisterei ein umfassendes Bild der Straßenzustände vermitteln. Für sie bedeutet diese Kooperation, dass sie aus den Daten über Glätteereignisse, die Luft- und Bodentemperatur sowie aktuelle Wetterinformationen, die richtigen Schlüsse für den Einsatz der Fahrzeuge ziehen kann, etwa bei überfrierender Nässe. So können Gefahrenstellen schnellstmöglich angefahren und beseitigt werden.

Dieses Beispiel zeigt auf, wie die Kombination verschiedener Daten neue Anwendungen für mehr Verkehrssicherheit, aber auch intelligentere, bessere Verkehrssteuerung oder nachhaltigere Verkehrskonzepte ermöglichen können. Dazu müssen die verschiedenen Beteiligten am Verkehrsgeschehen intensiver miteinander kommunizieren – auch im Wege eines offeneren Datenaustauschs, sind sich Experten sicher. Es geht demnach nicht nur darum, große Datenmengen zu erfassen und zu analysieren, sie müssen auch geteilt und besser zugänglich gemacht werden. Allerdings stoßen solche Appelle bislang noch viel zu häufig auf taube Ohren bei den betroffenen Playern, seien sie nun aus der Industrie, von Kommunen oder Bundesländern, wie Branchenkenner bedauern.

Doch „Daten und ihrer verantwortungsvollen Nutzung kommt in der globalen Wirtschaft eine immer größere Bedeutung zu“, stellt der Hauptgeschäftsführer des deutschen Digitalverbandes Bitkom, Dr. Bernhard Rohleder, fest. Er vertritt deshalb die Ansicht, dass Deutschland als rohstoffarme Nation es sich nicht leisten kann, Daten in „Silos“ wegzuschließen und auf ihre verantwortungsvolle Nutzung zu verzichten. Dies reicht demnach von der Analyse von Mobilitätsdaten im Verkehrssektor über die vorausschauende Wartung in Industrieunternehmen und Smart Farming in der Landwirtschaft bis hin zur bedarfsabhängigen Steuerung von Energiespeichern für eine nachhaltige Stromversorgung, so Rohleder. Deutschland könne mit einem konsequenten Schritt in die Datenökonomie wettbewerbsfähiger werden, das Risiko von Krisen verringern, Ressourcen schonen und zugleich die Lebensqualität erhöhen, argumentiert der Bitkom-Sprecher.

„Data Sharing“ ist also angesagt. Aber wie sieht die Bereitschaft zum Teilen von Daten bei denjenigen aus, die mit einem erheblichen Teil dieser Informationen generieren, bei den Verbrauchern? Das Goslar Institut – Studiengesellschaft für verbrauchergerechtes Versichern e.V. – hat in der von ihm beauftragten Studie „Big Data in der Mobilität“ unter anderem auch die Bereitschaft von Konsumenten zum „Data Sharing“ analysieren lassen. Wie die Untersuchung ergab, sind Fahrzeugnutzer in dieser Hinsicht durchaus wählerisch: Sie wollen keine Datenweitergabe an „jedermann“, sondern im Idealfall nur nach unmittelbarem Nutzen und nach Plausibilität. Dabei dominiert bei der Datenfreigabe der Eigennutz das Gemeinwohl. Das heißt, Verbraucher sind desto eher zum „Data Sharing“ bereit, je besser der Gegenwert für den Einzelnen – wie etwa bei den Telematik-Tarifen. Und die Verbraucher bestehen darauf, an der Entscheidung über die Nutzung ihrer Daten beteiligt zu sein und gefragt zu werden. Hierfür soll die Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen. Allerdings sehen die Fahrzeugnutzer auch die Produkt-Hersteller und -Anbieter in der Pflicht, verantwortungsbewusst mit den Daten der Verbraucher umzugehen.

Damit „Big Data“ wirklich zum Vorteil gereicht, müssen Daten geteilt werden. Soviel ist derzeit schon sicher. Bis dies jedoch möglich ist, scheint noch einiger Handlungsbedarf zu bestehen.

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