GDV-Studie / Schadenbilanzen von E-Autos und Verbrennern gleichen sich an

„Je mehr Elektroautos auf der Straße unterwegs sind, desto weniger unterscheiden sich ihre Schadenbilanzen von vergleichbaren Autos mit Verbrennungsmotoren“, fasst die stellvertretende GDV-Hauptgeschäftsführerin, Anja Käfer-Rohrbach, die Ergebnisse der Verbandsauswertungen zusammen. „Elektroautos kommen zunehmend im Alltag an: Eine breitere Modellpalette erreicht einen größeren Kundenkreis, zudem haben Werkstätten, Abschleppunternehmen, Feuerwehren und Gutachter inzwischen mehr Erfahrungen mit beschädigten Elektroautos“, fährt Käfer-Rohrbach fort. Mit dieser neuen Normalität verringerten sich aktuell auch die anfänglich beobachteten Besonderheiten in den Schadenbilanzen, so die Versicherungsexpertin.

Positiver Trend

Diese Entwicklung findet Käfer-Rohrbach auch im Hinblick auf die Mobilitätswende positiv. Denn langfristig deutlich höhere Reparaturkosten hätten der Akzeptanz von Elektroautos schaden können, stellt sie fest. Angesichts der ökologischen Herausforderung des Klimawandels könnten wir es uns als Gesellschaft jedoch nicht leisten, Autos langfristig weiter mit fossilen Rohstoffen anzutreiben, ist die GDV-Hauptgeschäftsführerin überzeugt.

Vor rund einem Jahr hatte sich der Versicherungsverband noch über hohe Reparaturkosten bei E-Autos beklagt: Die Schäden seien im Schnitt um bis zu 25 Prozent höher als bei vergleichbaren Verbrennern, hieß es im Juli 2024. Das könne negative Folgen für die Mobilitätswende haben, mahnte der GDV. Laut seiner damaligen Auswertung der Häufigkeit und Höhe der Schäden von E-Autos über drei Jahre hinweg ergaben sich im Berichtszeitraum zwar bis zu 20 Prozent weniger Schäden – doch im Falle des Falles fielen die Reparaturkosten bis zu einem Viertel höher aus als bei Verbrennern. Diese höheren Kosten können sich auch auf die Versicherungsprämien auswirken, warnte der GDV, und fürchtete als Konsequenz davon um die Akzeptanz der Stromer, falls sich an deren hohen Reparaturkosten nichts ändern sollte.

Hohe Reparaturkosten gefährden Akzeptanz von E-Autos

Dadurch sah der Versicherungsverband auch die Mobilitätswende insgesamt infrage gestellt: „Dass wir als Gesellschaft unsere Fahrzeuge künftig nicht mehr mit fossilen Rohstoffen antreiben, ist und bleibt angesichts des Klimawandels der einzig richtige Weg. Aber wenn die Reparaturkosten nicht sinken, gefährden sie langfristig die Akzeptanz der Elektroautos“, kommentierte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen 2024 die Resultate der GDV-Studie.

Und nun Trendwende zum Besseren? Mit der zunehmenden Zahl an Elektroautos, die auf Deutschlands Straßen unterwegs sind, gleichen sich laut der GDV-Untersuchung auch die Schadenstatistiken von Stromern und Verbrennern an. Demnach waren zum 1. Januar 2025 hierzulande rund 1,65 Millionen Elektro-Pkw zugelassen. Seit 2021 habe sich deren Anzahl damit mehr als verfünffacht, kommentiert der Versicherungsverband. Insgesamt sollen Elektroautos aktuell 3,3 Prozent der in Deutschland zugelassenen Pkw ausmachen.

Für seine aktuelle Untersuchung paarte der GDV nun 53 Modellreihen von Elektroautos mit Verbrennern, die sich möglichst ähnlich sind. Das sei in manchen Fällen sehr einfach, erläutern die Verfasser der Studie, weil es baugleiche Modelle gebe: zum Beispiel beim Smart den Elektro-Smart oder beim Golf VII den Elektro-Golf VII. Bei anderen Modellen gestaltete sich die Zusammenstellung von Paaren schwieriger. In solchen Fällen suchten die Experten des GDV passende Vergleichsfahrzeuge aus. Dann wurden für die betrachteten Modellreihen die Häufigkeit und die Höhe der Schäden jeweils über einen Zeitraum von drei Jahren ausgewertet.

Mehr Erfahrung mit kaputten E-Autos

Neben der breiteren Modellpalette und der gestiegenen Anzahl von Elektroautos im Straßenverkehr wirkt sich laut GDV auf die Schadensbilanzen auch aus, dass man im Umgang mit den E-Mobilen in der Zwischenzeit einfach mehr Routine erlangte. Werkstätten, Abschleppunternehmen, Feuerwehren und Gutachter hätten inzwischen mehr Erfahrungen mit beschädigten Elektroautos, stellt GDV-Geschäftsführerin Käfer-Rohrbach fest. „Mit dieser neuen Normalität verringern sich aktuell auch die anfänglich beobachteten Besonderheiten in den Schadenbilanzen“, sagt sie.

Aus Sicht des Versicherungsverbandes ist diese neue Normalität der E-Autos im Hinblick auf die angestrebte Mobilitätswende positiv zu bewerten. Vielleicht zieht ihre steigende Zahl mit der Zeit ja auch günstigere Preise in Anschaffung und Reparaturen nach sich. Das würde nach Ansicht von Marktbeobachtern die Akzeptanz dieser Fahrzeuge gleichfalls fördern.

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