Bei jeder Nutzung des Internets hinterlassen wir individuelle Spuren, anhand derer die „digitalen Fährtensucher“ unser Verhalten im Netz, unsere Vorlieben und Aversionen nachvollziehen können. Als digitalen Fußabdruck bezeichnet man alle Daten, die bei jeglicher Online-Aktivität und -Kommunikation entstehen und die sich auf einzelne Personen oder zumindest einen Haushalt zurückführen lassen. Dazu gehören sämtliche verwendete Apps, jede Anfrage im Internet und alle Daten, die online hoch- oder heruntergeladen, verschickt und empfangen werden.

So gesehen surfen wir nicht durchs Netz, wir trampeln eher durch die digitale Welt und hinterlassen dabei eine breite Datenspur. Und im Gegensatz zu unserem sichtbaren Fußabdruck am Strand, der von der nächsten Welle weggespült wird, hat ein digitaler Fußabdruck ein langes Leben. Denn das Internet vergisst bekanntlich nicht …

Angeblich sind die meisten Nutzer von Smartphone, Tablet und Rechner sich auch durchaus bewusst, welch einen „Trampelpfad“ an Daten sie im Internet hinterlassen. Das gab zumindest die Mehrheit der Befragten zu einer neuen, von der HUK-COBURG geförderten Studie zum Thema „Big Data in der Mobilität“ für die Studiengesellschaft für verbrauchergerechtes Versichern e.V., das Goslar Institut, an. Allerdings fanden die wissenschaftlichen Leiter der Untersuchung gleichfalls heraus, dass die Menge und die Vernetzung der Daten vielfach unterschätzt werden. Und dabei handelt es sich in der Regel um persönliche Daten, von denen oft nicht klar ist, ob deren Verursacher sie bewusst her- oder freigeben möchten.

Durchaus realistisch ordnen die für die Studie Befragten Smartphone bzw. Apps als die größten Datensammler ein. Überrascht zeigen sich hingegen viele, wenn sie von der Sammelleidenschaft ihrer Autos erfahren. So geben alle Studienteilnehmer an, zu wissen, dass moderne Autos Standortdaten, Bewegungsdaten oder auch Kommunikationsdaten registrieren. Allerdings rechnen die meisten nicht mit dem tatsächlichen Umfang ihrer Datenspur, sind verwundert ob der schieren Menge der von den modernen „Computern auf Rädern“ erfassten Daten. Auch die Möglichkeiten, die sich durch die Verknüpfung dieser Informationen ergeben, haben demnach die Wenigsten im Blick.

Wie unterschiedlich die Wahrnehmungen der befragten Studienteilnehmer zur „Daten-Raffmentalität“ ihrer Autos sind, veranschaulichen Aussagen, die von „ich verteile Daten wie das Krümelmonster Krümel“ bis hin zu „ich denke, dass ich mit dem Auto nur wenige Datenspuren hinterlasse“ reichen. Zahlreiche Befragte äußerten auch die Hoffnung, „dass mein Auto diskret ist.“ Dieses weite Spektrum der Antworten führen die Verfasser der Studie grundsätzlich darauf zurück, dass die Einschätzung der eigenen Datenspuren überwiegend auf Heuristiken, also letztlich unvollständigen Informationen beruht und nur wenig auf gewonnenen Erkenntnissen oder Wissen.

Hierzu merken die Autoren erklärend an, dass es den Befragten tatsächlich an nützlichen Informationen zu ihren Datenspuren mangelt. Daher fühlt sich die Mehrheit der Befragten auch nicht gut informiert, wäre dies aber gern. Daraus leitet sich die Forderung ab, dass die Nutzung von Daten intuitiv verständlich sein oder explizit und nachvollziehbar begründet werden sollte. Dafür spricht zum einen, dass etwa die Verkehrsassistenzsysteme, die in modernen Autos immer mehr Daten generieren, einen Zugewinn an Sicherheit, an Komfort und Entspannung bedeuten. Den möchten die meisten Autofahrer nicht missen. 

Zum anderen sind viele Autofahrer durchaus bereit, ihre eigenen Daten abzugeben bzw. zu teilen, wenn dies mit einem nachvollziehbaren Nutzen verknüpft ist: wie etwa bei den Telematik-Tarifen der Versicherer, die vorsichtiges, vorausschauendes und umweltgerechtes Fahren monetär honorieren. Dazu passt, dass die für die Studie Befragten den Versicherungsunternehmen im Hinblick auf verantwortungsvollen und -bewussten Umgang mit Kundendaten mehrheitlich großes Vertrauen entgegenbringen und durchaus bereit sind, diesen Unternehmen persönliche Daten zugänglich zu machen. Grundsätzlich zeigen sich die Fahrzeugnutzer jedoch wählerisch, sie wollen ihre Daten nicht an „jedermann“ weitergeben, sondern im Idealfall nur bei unmittelbarem Nutzen und nach Plausibilität.

Als ein weiteres wichtiges Ergebnis der Studie ist zudem festzuhalten, dass die Verbraucher sich selbst mit in der Verantwortung sehen, wenn es um ihre Daten geht. Über deren Nutzung wollen sie definitiv (mit-)entscheiden. Doch sie haben den Eindruck, zu wenig entscheidungsfähig zu sein und deshalb ihrer Verantwortung nicht gerecht zu werden bzw. nicht gerecht werden zu können! Deshalb erwarten sie, dass die Verantwortlichen in der Politik dafür die Voraussetzungen schaffen.

Die neue Studie des Goslar Instituts zu „Big Data in der Mobilität“ wird aus Aktualitätsgründen in zwei Teilen veröffentlicht. Sie ist jetzt als sogenanntes Grünbuch erschienen, das sich auf die „Datenspuren der Verkehrsteilnehmer und Ansprüche der Stakeholder“ konzentriert. Mit dem Grünbuch wurde zudem ein Raum Mobiler Daten (RMD – https://raum-mobiler-daten.de) geschaffen, in dem zum einen die Forschungsergebnisse geteilt werden. Zum anderen soll die Wissenschaftsplattform dem Dialog über Big Data in der Mobilität dienen.

Autoren der neuen Studie sind Prof. Dr. Nadine Gatzert vom Lehrstuhl für Versicherungswirtschaft und Risikomanagement der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Prof. Dr. Susanne Knorre vom Institut für Kommunikationsmanagement der Hochschule Osnabrück, Prof. Horst Müller-Peters vom Institut für Versicherungswesen (ivwKoeln) der Technischen Hochschule Köln und Prof. Dr. Fred Wagner vom Institut für Versicherungswissenschaften der Universität Leipzig. Der zweite Teil der Untersuchung und damit die gesamte Studie, die sich dann auch mit neuen Angeboten und den Nutzenpotenzialen auf Basis von Big Data in der Mobilität (für die Welt von morgen) beschäftigen soll, wird zum Goslar Diskurs Anfang 2023 als Weißbuch veröffentlicht.

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