Tatsächlich bewerten die befragten Autofahrer bei der Verarbeitung ihrer Mobilitätsdaten den Nutzen für sich selbst überwiegend als sehr hoch. Allerdings schätzen viele auch die damit verbundenen Gefahren als hoch bzw. sehr hoch ein. Die Mehrheit ist jedoch der Ansicht, dass die Risiken, die mit Big Data in der Mobilität verbunden sind, sowohl für den einzelnen Bürger als auch für die Gesellschaft als eher gering anzusehen sind. Nutzer von modernen Fahrzeugen, die immer mehr Mobilitätsdaten generieren, urteilen also differenziert und sind von purer Euphorie wie auch purer Panik weit entfernt. Die meisten von ihnen sehen Nutzen und Gefahr gleichermaßen, wobei die Gruppe derjenigen, bei denen die Furcht vor den mit Big Data verbundenen Risiken überwiegt, erheblich kleiner ausfällt als die Anzahl jener, die sich mehr auf den Nutzen von verwerteten Mobilitätsdaten fokussieren.

Die wichtigsten Vorteile durch die Auswertung von Mobilitätsdaten erwarten die für die Studie Befragten in den Bereichen Navigation, Zeitersparnis sowie in Form von bessere Verkehrslenkung mit dementsprechend vermiedenen Staus. Beim Thema Navigation soll insbesondere auch der Echtzeitzugang zu entsprechenden Informationen die Planung und Durchführung von Mobilität erleichtern und verbessern. Zeitersparnis versprechen sich die Befragten durch Big Data zum Beispiel durch die Möglichkeit, Erledigungen von unterwegs durchführen zu können sowie in Form von kürzeren Reisezeiten. Zudem gehen die Autofahrer davon aus, Kosten einsparen zu können durch die Nutzung von günstigen Offerten sowie eine genauere Verbrauchskontrolle. Zudem werden als weitere wichtige Benefits, die sich die Verbraucher von der Auswertung ihrer Mobilitätsdaten erhoffen, mehr Bequemlichkeit und Vorteile bei der Klärung der Schuldfrage bei Verkehrsunfällen genannt.

Demgegenüber stehen Bedenken bezüglich des Verlusts an Autonomie und Kontrolle gegenüber (Tech-)Konzernen, an Privacy sowie an Kompetenzen. Weitere Befürchtungen der Befragten betreffen Hackerangriffe, Fehlfunktionen und Ausfälle der elektronischen Systeme, Unfälle durch autonome Fahrzeuge sowie Datenmissbrauch. Als Top-Risiko von Big Data wird jedoch nicht die Gefährdung der Privatsphäre wahrgenommen, sondern die Nutzung der Daten zu eigenen Ungunsten und in Form von möglichen Einbußen an Sicherheit.

Typische Aussagen hierzu lauten etwa: „Man wird gläsern, alles ist nachvollziehbar, jeder Schritt, wo man gewesen ist.“ „Ich sehe die Gefahr, dass man zu bequem wird und sich zu sehr auf die Technik verlässt.“ Oder: „Die Gefahr besteht immer, dass man gehackt wird. Ich möchte auch nicht bevormundet werden.“ Sorgen von einzelnen wenigen Befragungsteilnehmern gehen sogar soweit, dass sie befürchten, beim Ausfall aller Systeme drohten ein Rückfall in die „Steinzeit“ und der Zusammenbruch der Gesellschaft. Andere argwöhnen gar, dass die KI die Macht über die Menschheit übernehmen wolle. 

Abgesehen von diesen „Ausreißern“ beurteilt die große Mehrheit der für die Studie des Goslar Instituts Befragten das Thema jedoch sehr rational, die Vorteile und Risiken von Big Data in der Mobilität nüchtern abwägend. Es gibt weder Euphorie noch Panik und in der Summe überwiegt der wahrgenommene Nutzen von Big Data. Dabei äußern die Befragten den dringenden Wunsch, selbst über die Freigabe ihrer Daten zur Nutzung durch Dritte entscheiden zu können. Diese Wahl wollen die meisten davon abhängig machen, welche individuellen Vorteile sie durch die Herausgabe ihrer Daten erzielen können.

Die Studie des Goslar Instituts zu „Big Data in der Mobilität“ wird aus Aktualitätsgründen in zwei Teilen veröffentlicht. Bereits erschienen ist das sogenannte „Grünbuch“, das sich auf die „Datenspuren der Verkehrsteilnehmer und Ansprüche der Stakeholder“ konzentriert. Mit dem „Grünbuch“ wurde zudem ein „Raum Mobiler Daten (RMD)“ geschaffen, in dem die Untersuchung sowie andere Forschungsergebnisse und interessante Informationen zur Einsicht sowie zum Download bereitstehen. Der zweite Teil und damit die gesamte Studie, die sich dann auch mit neuen Angeboten und den Nutzenpotenzialen auf Basis von „Big Data in der Mobilität“ (für die Welt von morgen) auseinandersetzt, wird zum Goslar Diskurs Anfang 2023 als „Weißbuch“ veröffentlicht.

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